1. Timing: Der richtige Zeitpunkt für die Niederlassung
Viele Mediziner haben Schwierigkeiten, den richtigen Zeitpunkt für ihre Niederlassung zu finden. Besonders in politisch unruhigen Zeiten, bei Fachpersonalmangel und angesichts gestiegener Zinsen stellen sich viele die Frage: Soll ich warten? Erst die Familie gründen und dann die Praxis? Es gibt unzählige Gründe, die Entscheidung hinauszuzögern.
Doch der richtige Zeitpunkt ist immer jetzt. Eine frühzeitige Niederlassung bietet mehr Zeit für die Finanzierung, die Entschuldung und den Vermögensaufbau. Die Kreditsummen, die getilgt werden müssen, sind beträchtlich, und je weniger Zeit dafür zur Verfügung steht, desto höher wird die monatliche Belastung. Dadurch fehlt oft die freie Liquidität, die notwendig wäre, um gezielt Vermögen aufzubauen.
Eine frühe Entscheidung ermöglicht es, früher mit dem Aufbau eines soliden finanziellen Fundaments zu beginnen und langfristig von geringeren Tilgungsraten und stabileren finanziellen Verhältnissen zu profitieren.
2. Fehlendes Unternehmer-Mindset: Der Schlüssel zum Erfolg
Viel wichtiger als die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt ist die Frage: Bin ich ein Unternehmertyp? Wir beobachten bei einigen Medizinern, dass sie immer noch im Angestelltenverhältnis feststecken. Die entscheidende Frage lautet: Will ich Sicherheit oder möchte ich mich selbst verwirklichen? Das erforderliche Mindset lässt sich entwickeln, es ist ein kontinuierlicher Prozess. Niemand ist als perfekter Unternehmer geboren. Zielstrebigkeit und die Fähigkeit, bewusst kalkulierte Risiken einzugehen, sind entscheidend.
Wir können als Sparringspartner wertvolle Hinweise und Orientierung bieten, aber die Gründung kann Ihnen niemand abnehmen. Sie müssen Entscheidungen treffen und Selbstverantwortung übernehmen.
Überlegen Sie sich, wie Sie in Zukunft leben möchten und wie Sie Beruf und Familie miteinander verbinden wollen. Wie sieht Ihr persönliches Life-Design aus? Das klar zu definieren ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur erfolgreichen Niederlassung in die eigenen Praxis.
3. Fehlende Vision: Die Basis für eine erfolgreiche Praxis
Viele Praxen glänzen auf ihren Homepages mit unspezifischen Schlagwörtern wie Teamfähigkeit, Transparenz und Patientenorientierung. Aber was bedeuten diese Begriffe konkret? Wie setzen ich diese Werte in meiner Praxis konkret um? Wie leben ich diese als Führungskraft vor? Wofür steht meine Praxis tatsächlich?
Es ist wichtig, sich mit dem eigenen „Warum“ sowie den eigenen Werten auseinanderzusetzen und die Vision schriftlich festzuhalten. Was unterscheidet meine Praxis von der Konkurrenz? Was sind meine Alleinstellungsmerkmale (USP)? Möchte ich in einer Einzelpraxis, im Team, in einer Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) oder in einem medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) arbeiten? Wo soll meine Praxis in fünf bis zehn Jahren stehen? Möchte ich meine Praxis entwickeln?
Diese Überlegungen fließen in den Businessplan und später in das Marketingkonzept ein. Nichts ist schlimmer, als ein Marketingkonzept, das nicht auf den Werten der Praxis basiert, sondern nur darauf ausgerichtet ist, was die Patienten hören wollen. Allgemeine Aussagen wie „Wir betreuen Sie individuell“ oder „Wir sind Ihre Praxis des Vertrauens“ sind austauschbar und wenig überzeugend.
Ein klar definiertes Werte- und Praxiskonzept ist nicht nur für das Marketing, sondern auch für die Mitarbeiterfindung und -bindung von entscheidender Bedeutung. Wer seine Vision und Philosophie kennt und lebt, schafft eine starke Grundlage für eine erfolgreiche Praxis. Zudem ist es für alle einfacher, in einer gemeinsame Richtung zu laufen, wenn die Richtung bekannt ist.
4. Vernachlässigung der Standortwahl
Der Standort Ihrer Praxis hat einen wesentlichen Einfluss auf Ihren Erfolg. Ein ungünstig gewählter Standort kann dazu führen, dass Sie weniger Patienten anziehen. Es ist ratsam, verschiedene Standorte zu vergleichen und dabei Faktoren wie die Konkurrenzsituation, die Erreichbarkeit für Patienten und die demografische Struktur der Umgebung zu berücksichtigen. Lesen Sie dazu auch den Blog Praxis Standortanalyse: Wichtige Faktoren für die Wahl des optimalen Standorts.
5. Ausbleibende Erfolgskontrolle und Praxissteuerung
Ohne Businessplan und Controlling fehlt die Grundlage, um den Erfolg der Praxis zu überwachen und zu steuern. Ein Businessplan sollte Vision, Entwicklungspotenzial (wo soll die Praxis in fünf Jahren stehen?) und Werte enthalten. Mit einem gut ausgearbeiteten Businessplan wird auch das Bankgespräch einfacher und Sie werden bessere Konditionen erzielen. Lesen Sie hierzu auch den Blog Praxisfinanzierung – Darlehensarten.
Ein Bekannter mit einem BWL-Studium und Erfahrung als Wirtschaftsprüfer ist möglicherweise nicht die ideale Wahl, wenn es darum geht, korrekte Abrechnungen sicherzustellen, Potenziale vollständig zu nutzen oder die Praxisführung optimal umzusetzen.
Es ist entscheidend, das Praxiskonzept regelmäßig zu überprüfen und anzupassen, um sicherzustellen, dass die Werte und Visionen weiterhin relevant sind. Bleiben Sie kontinuierlich daran, Ihre Praxis zu optimieren. Das sollte mit einem passenden Sparringspartner geschehen.
Schlechte Vertragsverhandlung: Fehlende Sorgfalt bei Miet- und Gesellschaftsverträgen.
6. Schlechte Vertragsverhandlung: Fehlende Sorgfalt bei Miet- und Gesellschaftsverträgen
Ein ungenügend ausgehandelter Mietvertrag oder Gesellschaftsvertrag kann langfristig erhebliche Nachteile bringen. Es ist wichtig, Verträge individuell zwischen Übernehmer und Übergeber vorzubereiten. Gemeinsames Vorformulieren hilft, sicherzustellen, dass alle wichtigen Punkte und Regelungen enthalten sind. Dazu gibt es strukturierte Checklisten, die gemeinsame Vorarbeit spart Ihnen auch unnötige Anwaltskosten, wenn dieser alles aufsetzen soll, ohne entsprechende Angaben zu haben. Schieben Sie die gesamte Verantwortung nicht einfach auf den Anwalt ab, dass der dies schon regeln wird . Übernehmen Sie Selbstverantwortung und stellen Sie sicher, dass Sie den Vertrag selbst gut verstehen. Auch sollten Sie über gängige Mietpreise am Standort informiert sein. Lesen Sie hierzu auch den Blog: Das Übernahmegespräch – Verhandlungsgeschick ist gefragt und den Abschnitt Wichtige Hinweise zum Gesellschaftsvertrag und Verkehrswert im Blog: Praxiswertermittlung.
Fragen Sie sich: Drückt der Vertrag genau das aus, was Übernehmer und Übergeber vereinbart haben? Nur so können Missverständnisse und zukünftige Streitigkeiten vermieden werden. Vorarbeit schafft eine gemeinsame Grundlage, spart Zeit beim Anwalt, sollte diesen definitiv nicht ersetzten. Übernehmen Sie auch nicht blind Verträge vom Vorgänger mit Zusatzklauseln, die dann an den bestehenden Vertrag angehangen werden. Verträge durch Fachanwälte prüfen oder sogar neu aufsetzen zu lassen ist aus meiner Sicht ein absolutes Pflichtthema. Nutzen Sie die Chance der Übernahme, Verträge zu aktualisieren. Hier sollte definitiv nicht Ende gesparrt werden.
7. Fehlende Absicherung
Eine eigene Praxis bringt eine Vielzahl rechtlicher Anforderungen und Risiken mit sich. Der Abschluss von Haftpflichtversicherung und Co., das Einhalten des Datenschutzes und anderer rechtlichen Bestimmungen sowie die Absicherung durch Verträge sind unerlässlich. Es empfiehlt sich, Rat einzuholen, um gut abgesichert zu sein. Lesen Sie dazu auch den Blog: Welche Versicherungen braucht ein freiberuflicher Mediziner.
8. Falscher Personalführung und unklare Aufgabenverteilung
Ein häufiges Problem ist der falsche Einsatz von Personal und ein unzureichendes Verständnis der Aufgaben. Transparenz bei den Aufgaben ist entscheidend. Klare Tätigkeitsbeschreibungen und definierte Prozesse schaffen Transparenz. Oftmals sitzt eine Person auf allen Aufgaben und hält sich für unersetzlich. Das sollte nicht der Fall sein. Im Krankheitsfall muss eine Vertretung möglich sein und Zuständigkeiten müssen klar definiert und dokumentiert sein.
Nutzen Sie digitale Lösungen nicht nur für den Internetauftritt und die Online-Terminvereinbarung, sondern auch für die Verwaltung der Praxis. Lesen Sie dazu auch den Blog: Die Digitalisierung Revolution in der Arztpraxis.
Fehlende Instrumente zur Mitarbeiterbindung, wie Benefit-Programme, sowie unklare Aufgabenverteilungen sind weitere Fallstricke. Eine klare Vision ist unerlässlich – es ist einfacher, wenn alle wissen, in welche Richtung sie gehen sollen und was genau ihre Aufgaben sind. Seien Sie zudem ein moderner Arbeitgeber und bieten Sie Ihren Mitarbeitenden was. Motivierte Mitarbeitende sind eine tragende Säule Ihres Erfolgs. Gerne entwickeln wir gemeinsam einen persönlichen Plan für Ihre Praxis, wie Sie Mitarbeiter langfristig binden und eine Win-Win Situation für Sie und Ihre Mitarbeiter schaffen.